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Blick in die Geschichte

Auf halber Wegstrecke zwischen Traunstein und der deutsch-österreichischen Landesgrenze bei Salzburg, an der Bundesstraße B304, liegt der über 1.200 Jahre alte Marktflecken Teisendorf. Schon bei der Durchfahrt durch die Marktstraße kann ein aufmerksamer Beobachter an verschiedenen Geschäftshäusern die Bauweise im alten "Salzburger Baustil" feststellen. Die Marktstraße - von alten Bürgerhäusern flankiert - wird mit ihren zahlreichen Ladengeschäften bei Einheimischen und Gästen als verkehrsberuhigte Einkaufsstraße sehr geschätzt.

Jahrhundertelang war Teisendorf dem ehemaligen Erzbistum Salzburg untertan, welches von seiner Gründung um das Jahr 700 an bis zur endgültigen Auflösung als weltliche Landesherrschaft am 1.Mai 1816, ein eigenes Territorium bildete. In dieser langen Zeit war der jeweils amtierende Kirchenfürst auch zugleich weltlicher Landesherr.

Die Anfänge der Marktgemeinde

Nach den bisher bekannten Urkunden wird Teisendorf als "Tusindorf" im Jahre 790 zum ersten Mal in einer Schenkungsurkunde der damaligen Bayernherzöge an das Erzstift Salzburg erwähnt. Zweifellos darf aber Teisendorf auf eine wesentlich ältere Vergangenheit zurückblicken. So war Teisendorf schon zur Zeit der Römer, die kurz vor Beginn unserer heutigen Zeitrechnung dieses Gebiet erobert hatten, im Bereich des heutigen Weildorf besiedelt. Durch den zweiten Erhartinger Vertrag von 1275 wurde die Zollstätte an der alten Salzstraße nach Teisendorf verlegt und mit großer Wahrscheinlichkeit auch zugleich dem Ort Teisendorf das Marktrecht verliehen.

Während der Zugehörigkeit nach Salzburg war Teisendorf der Sitz eines Pflegegerichtes mit der Bezeichnung "Raschenberg", das seinen Sitz auf der mittlerweile verfallenen Burg Raschenberg in Oberteisendorf hatte und 1575 ins heutige Dienstgebäude der Bayer. Landesanstalt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht verlegt wurde.

Seelsorgerisch wird Teisendorf schon sehr lange betreut. Bereits um das Jahr 800, als Erzbischof Arno I. eine Bestandsaufnahme der kirchlichen Besitzungen in seinem Bistum durchführen ließ, wird neben Weildorf und Offenwang auch eine Kirche in Dusindorf aufgeführt. Die erste urkundliche Bestätigung geht zurück auf das Jahr 1219, wo Pfarrer Albertus von Tusindorf als Zeuge in einer Schenkung erwähnt wird. Die damalige Pfarrei umfasste so ziemlich das Gebiet der heutigen Großgemeinde.

Im Jahre 1682 zerstörte ein Großfeuer die nördliche Seite der Marktstraße einschließlich der Kirche zum größten Teil. Zu diesem Zeitpunkt betrug die Einwohnerzahl an die 650 Seelen. Die Bewohner lebten damals überwiegend von Handel, Gastgewerbe und Landwirtschaft. Neben vielen schweren Heimsuchungen wie Pest, Mißernten, Teuerungen und Hungersnöten in den vergangenen Jahrhunderten wurde Teisendorf besonders von den napoleonischen Kriegen sehr schwer getroffen.

Von den Truppen verschont

Am 12. Dezember 1800 rückten die ersten französischen Truppen in den Ort ein. Vor dem Pflegegericht übergab ihnen der Pfleger Franz von Agliardis kampflos den Markt, wodurch eine Zerstörung vermieden werden konnte. An der selben Stelle übergaben am 3. Mai 1945 der damalige Bürgermeister und der Gemeinderat den Markt den einrückenden Amerikanern kampflos. Somit blieb der Ort ein zweites mal von einer Verwüstung verschont.

In Anbetracht dieser historischen Ereignisse wurde an dieser Stelle nach dem zweiten Weltkrieg eine kleine Anlage mit einer Madonnen-Statue geschaffen. Gerade zu diesem Zeitpunkt haben sehr viele Heimatvertriebene und Flüchtlinge in Teisendorf Zuflucht gesucht und, zum großen Teil, hier ihre zweite Heimat gefunden.

Im Jahre 1815 suchte Teisendorf zum zweiten Mal eine schwere Brandkatastrophe heim, wobei wiederum die Pfarrkirche schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt befand sich der Friedhof rund um die Kirche. Er wurde dann östlich davon neu angelegt.

Die Gebietsreform brachte 1971 bzw. 1972 die Eingliederung der umliegenden Landgemeinden Freidling, Roßdorf und Holzhausen. Nach Abschluss der großen Gebietsreform kamen weitere drei Gemeinden zu Teisendorf und zwar Neukirchen am Teisenberg, Oberteisendorf mit Rückstetten und Weildorf. Die neugebildete Großgemeinde zählt derzeit ca. 9.150 Einwohner und ist mit einer Fläche von  86,76 km2 mit Abstand die größte Flächengemeinde des Landkreises Berchtesgadener Land und so groß wie das "Bayerische Meer", der Chiemsee.